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October 1, 2017

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Ton-Art Festival zu Gast in der Villa Nagel

18.02.2016

Sprechend, zirpend, kreischend

Die Interpretation der „Récitations“ für eine Solosängerin im Rahmen des Festivals TonArt, das in diesem Jahr unter dem Motto „Heimat“ steht, bot ein passendes Format für die Villa Nagel. Professor Frank Wörner führte in die anspruchsvolle Darbietung ein.

 

„In seinen 14 Récitations hat sich der griechische Komponist Georges Aperghis mit der kulturellen Identität der Sprache auseinandergesetzt“, erläuterte er. Fast wie ein Vorläufer des „Beatboxing“ loten die 1978 entstandenen Kompositionen für Sopran die französische Sprache in ihren klanglichen Versatzstücken aus Wörtern, Silben und Phonemen aus, die so behandelt werden, als seien sie Noten oder Tonhöhen. Die Récitations wirken assoziativ und elektrisierend auf die Zuhörer.

Die 30-jährige Sängerin Christie Finn gehört zu den wenigen Sopranistinnen, die nicht vor dem Stück als Ganzes kapitulieren. Sie stammt aus den USA, hat in Stuttgart bei Frank Wörner studiert und widmet sich als lyrische Sopranistin besonders der Interpretation zeitgenössischer Musik. Christie Finn bewältigte die Herausforderung mit Bravour. Sprechend, zirpend und kreischend wurden die Räume weniger ersungen als errungen. Abwechselnd bediente sie sich dazu ihrer Sing- und ihrer Sprechstimme, ließ diese abgehackt und rhythmisch wie eine Maschine erklingen oder in archaischer Vogelmanier erschallen.

Allein die Geschwindigkeit der rasant aneinandergereihten Laute rang den Zuhörern Respekt ab. Oft ließen sich aus dieser hochkalkulierten Kakophonie französische Worte extrahieren, die sich zu wahren Sprachetüden verbanden. Als Zuhörer stellte man sich ein dramatisches Geschehen vor, das allerdings immer in der Schwebe blieb. Eine Steigerung erfolgte, wenn überhaupt noch möglich, zum Schluss. Die letzte Récitation ist als rhythmisch gesprochene Einheit mit nur einer Atempause notiert. Nach Vollendung atmete nicht nur die Sängerin erleichtert auf, sondern auch ein Teil des Publikums, das Christie Finn mit begeistertem Applaus bedachte.

Petra Weber-Obrock, EZ

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